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Referat - kantonale Delegiertenversammlung
der SVP des Kantons SG
Zur Neuen Kantonsverfassung – Mittwoch, 16.
Mai, 20.15 Uhr in Oberschan
Sehr geehrter Herr Präsident
Geschätzte Damen und Herren
Liebe Delegierte
Globalisierung – Fusionierung – Umstrukturierung liegen
in der heutigen Zeit geradezu im Trend. Leider, und das bedaure
ich sehr, hat das auch in der Politik Einzug gehalten – alles
will man grösser, alles will man mächtiger – EU
kompatibel und EU-konform machen.
Statt den bisher 14 Bezirken sollen neu nur noch acht Wahlkreise
geschaffen werden. Durch die Zusammenlegung der Wahlkreise wird
zwangsläufig die einwohnerschwächere und ländliche
Region gegenüber der einwohnerstarken städtischen Region
unterliegen. Dabei unterscheiden sich doch die Interessen der ländlichen
Bezirke enorm gegenüber den Bezirken mit städtischen Agglomerationen.
Den Landregionen wird durch die vorgesehenen Wahlkreise buchstäblich
der politische Einfluss entzogen. Die Begründung der Verfassungskommission,
dass nach Angabe des Bundesgerichts, die Wahlhürde von 10 Prozent
als an der oberen Grenze bezeichnet wird, genügt uns in keiner
Art und Weise. Hier wird einmal mehr auf Minderheiten, d.h. kleine
Gruppierungen, kleine Parteien Rücksicht genommen und bevorzugt
und die Landregionen mit kleinen Gemeinden und kleinem Stimmenpotential
einfach ausgetrickst.
Alle reden von Minderheitenschutz! Ich frage Sie, werte Delegierte,
was wird denn mit uns gemacht? Wir auf dem Land - mit kleinen Gemeinden
- mit kleinem Stimmenpotential - sind doch auch eine Minderheit,
wo bleibt unser Schutz? Wenn wir uns jetzt nicht wehren - werden
wir von oben diktiert und wahrlich verkauft!
NEIN, so nicht! Nein zu den neuen Wahlkreisen,
Nein zur neuen Kantonsverfassung!
Ich bewundere Sie, liebe Kantonsräte von den Bezirken Werdenberg
und Sargans, wie Sie sich bereits in der Verfassungskommission mit
viel Engagement gegen die geplante Zusammenlegung der Bezirke Werdenberg
und Sargans gewehrt haben. Und das mit viel Erfolg, sie beide -
Werdenberg und Sargans - können ihren eigenen Wahlkreis behalten
und auch in Zukunft eigenständig bleiben. Ich gratuliere Ihnen
zu Ihrem Kampfgeist - zu Ihrem Stehvermögen - und zu Ihrem
Durchhaltewillen. Der Einsatz hat sich gelohnt, sie haben das Ziel
erfolgreich durchlaufen und haben den Erfolg für sich können
buchen. Ich hoffe auf Ihr Verständnis und auf Ihre Unterstützung,
wenn wir noch auf der letzten Zielgeraden kämpfen - um das
gleiche Ziel können zu erreichen.
In der Verfassungzeitung Nr. 3 wird unter anderem festgehalten:
"Die neue Wahlkreis-Einteilung schafft nicht zuletzt ausgeglichenere
Wahlbezirke für die Kantonsratswahlen." Ich frage Sie:
Ist es sinnvoll, dass der einwohnerschwache ländliche Bezirk
Gaster mit rund 13000 Einwohner mit dem einwohnerstarken Bezirk
See mit den städtischen Agglomerationen Rapperswil-Jona wo
allein schon 23000 Einwohnern und insgesamt im Bezirk 44000 Einwohner
zählt zu einem gleichen Wahlkreis gehören sollen;
Oder Kantonshauptstadt St. Gallen und Gossau wo in der neuen Kantonsverfassung
von den acht Wahlkreisen allein etwa 45 von 180 Kantonsratsmandaten
- und damit gleich ein Viertel der Mitglieder im Grossen Rat stellen
soll? Ist das noch bürgernah? Ist das wirklich im Interesse
der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger?
In der November-Session hat der Grosse Rat die Kantonsverfassung
gutgeheissen und das Abstimmungsverfahren festgelegt. Trotz der
zuvor geregelten gesetzlichen Möglichkeiten hat der Grosse
Rat es verpasst, die Kantonsverfassung in Teilen, insbesondere die
Bestimmungen über die Wahlkreise der gesamtrevidierten Kantonsverfassung
dem Volk vorzulegen, so wie ich das im Grossen Rat beantragt habe.
Das Volk kann über die Verfassung nur als Ganzes abstimmen.
Das ist ein schwerwiegender Eingriff in die Kantonsstruktur.
Dieses Verdikt der Regierung und der Mehrheit des Grossen Rates
muss vom Volk am 10. Juni klar mit einem NEIN quittiert werden.
Die Regierung soll damit die Chance erhalten, eine 2. Abstimmung
vorzubereiten, bei der die Kantonsverfassung in Teilen, insbesondere
über die Wahlkreise separat abgestimmt werden kann.
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Liebe Delegierte
Ich habe bereits im Komitee gegen die Bundesverfassung, gegen
das Sozialistische Ansinnen gekämpft - dort mit Erfolg - SVP
hat die NEIN Parole beschlossen und die St. Gallerinnen und St.
Galler sind unserer Parole gefolgt und haben Bundesverfassung abgelehnt.
Wir haben im Detail die Änderungen von Fraktionskollege Heinz
Güntensperger gehört. Als Treuhänderin bin ich mich
von Beruf her gewohnt, am Ende des Jahres Bilanz zu ziehen und das
Geschäftsjahr zu analysieren. Ich erachte es als meine Aufgabe,
das ebenfalls mit der Revision der Kantonsverfassung zu machen.
Es ist richtig, dass wir in der 2. Lesung mit unserer 42-köpfigen
Fraktion einiges wieder einbringen konnten. So z.B. das obligatorische
Finanzreferendum, das Einbürgerungsverfahren wo bei der Bürgerversammlung
bleibt, oder das fakultative Ausländerstimmrecht auf Gemeindeebene,
wo wieder gebodigt werden konnte. Das war für unsere SVP-Fraktion
wahrlich ein riesiger Erfolg. Aber liebe Delegierte, Hand aufs Herz,
es sind wohl "Verbesserungen" gegenüber der 1. Lesung
der neuen Kantonsverfassung. Aber es schleckt doch keine Geiss weg
- das sind keine Verbesserungen für unser Volk und unser Kanton
- das haben wir nämlich bereits in der jetzt geltenden Verfassung
so geregelt wo heute noch in Kraft ist.
Mit der Fusionierung der Wahlkreise bringt die neue Verfassung
einige wesentliche Verschlechterung gegenüber der jetzt geltenden
mit sich; Es ist ein schwerwiegender Eingriff in die Kantonsstruktur.
Es ist klar ein Abbau des Föderalismus, und es ist eine politische
Entmachtung der ländlichen Gebiete•Stadtgebiete in den
grossen Wahlkreisen absorbieren die Stimmkraft der dazugehörenden
Landregionen, dies umsomehr, weil man wie in der neuen Bundesverfassung,
Eidgenossen abgeschafft hat, auch in der neuen Kantonsverfassung
die Bürgerinnen und Bürger abgeschafft und durch Einwohnerinnen
und Einwohner ersetzt. Das bedeutet nochmals eine weitere Hürde
für die ländlichen Regionen - weil Ausländerinnen
und Ausländer wo neu dazu zählen vielfach in den Städten
und nicht auf dem Land wohnen.
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Geschätzte Damen und Herren, Liebe Delegierte
Am 10. Juni wird über die Kantonsverfassung abgestimmt, ein
sehr wichtiges Werk für alle St. Gallerinnen und St. Galler.
Wir als SVP sind jetzt gefordert, wir sind doch die einzigen, die
kritisch prüfen, die hinterfragen und genau analysieren, ob
das neue tatsächlich so gut ist, wie die Regierung uns das
verkaufen will. Das hat uns Erfolg gebracht und das erwarten auch
in Zukunft unsere Wählerinnen und Wähler von uns. Die
Politik der SVP wird auch im neuen Jahrhundert erfolgreich sein,
wenn es uns gelingt, das Bewährte zu fördern und gegen
die negativen Entwicklungen anzukämpfen.
Das 20. Jahrhundert ist geprägt gewesen vom Gedanken der Grösse,
der Gleichmacherei, von der Idee von einem zentralistischen Verwaltungsstaates.
Der Zentralismus hält den Sozialismus am Leben, er schaltet
den Wettbewerb völlig aus. Die Zukunft gehört nicht dem
Zentralismus. Er wird über kurz oder lang Schiffbruch erleiden.
"Dem Föderalismus gehört die Zukunft, weil er wirkungsvoller,
tüchtiger, persönlicher, beweglicher, überblickbarer
ist. Das Prinzip des schweizerischen Föderalismus ist der Weg
für das 21. Jahrhundert. "
Ich frage Sie, werte Delegierte, wer soll denn dieses Ziel anvisieren,
wer, wenn nicht die SVP. Wir dürfen uns jetzt nicht unter Druck
setzen lassen, sondern müssen gradlinig unseren Weg gehen und
uns konsequent für unsere Ziele einsetzen. Wir haben NEIN gesagt
zum zentralistischen Europa, wir haben NEIN gesagt zur neuen Bundesverfassung,
wir können heute und jetzt ganz klar die Weichen stellen und
NEIN sagen zur neuen Kantonsverfassung. Wir haben überhaupt
nichts zu verlieren - denn und wir sind absolut nicht in einem verfassungslosen
Zustand, im Gegenteil - wir haben eine gute alt bewährte Verfassung,
die uns die Freiheit und die Souveränität garantiert und
heute noch gilt. Nein, so nicht!
Nein zu den neuen Wahlkreisen in der Kantonsverfassung! - so lautet
unser überparteiliches Komitee gegen die neue Kantonsverfassung.
Nehmen wir also gemeinsam den Kampf auf
- Gegen den schwerwiegenden Eingriff in die Kantonsstruktur
- gegen den Abbau des Föderalismus
- gegen die Zentralisierung
- gegen die politische Entmachtung der "ländlichen
Gebiete"
- gegen das "Gesamt-Mogel-Packung"
und sagen klar und deutlich NEIN zur neuen Kantonsverfassung. Ich
danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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