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Internationale Einsatzarmee –
und ihre Begleiterscheinungen?
Die Befürworter von Ausland-Militäreinsätzen der
Armee fordern pauschal und unermüdlich „Solidarität“
und „Weltoffenheit“. Dass militärische Auslandeinsätze
auch mit negativen und tragischen Begleiterscheinungen verbunden
sind, wird ausgeklammert. Dass Kriegshandwerk – Uno und Nato
fordern bekanntlich „robuste Einsätze“ –
auch mit Sterben und, nicht minder tragisch, auch mit Töten
zu tun hat, wird geradezu tabuisiert.
Ebenso tabuisiert werden weitere negative Begleiterscheinungen.
Über die rund um die KFOR-Camps grassierende Prostitution muss
man sich vor allem in ausländischen Medien orientieren. Dort
erfährt man – „Die Zeit“, „Spiegel“,
„Focus“, die „Frankfurter Allgemeine“ berichten
darüber –, wie die sich in Kosovo und Mazedonien beängstigend
entwickelnde Prostitution verbunden ist mit von Mafia-Syndikaten
umfassend organisiertem Frauenhandel, dessen Opfer Frauen und Mädchen
– nicht selten Minderjährige – aus ehemaligen Ostblock-Staaten,
vor allem aus der Ukraine und aus Russland sind. Unter falschem
Vorwand z.B. als Serviererinnen angeheuert, werden junge Frauen
gegen ihren Willen an Bordellbetreiber und Barbesitzer auf dem Balkan
weitergereicht. Eine der übelsten Formen von Menschenhandel,
ja moderne Sklaverei! Rund um die SFOR-Basen in Bosnien und im Einzugsgebiet
der KFOR-Camps in Kosovo sind Bordelle wie Pilze aus dem Boden geschossen.
Allein in Bosnien soll es – gemäss den erwähnten
Berichten – rund deren fünfhundert geben.
Dass Friedenstruppen für Menschenhandel und Zwangsprostitution
mitverantwortlich sind, ist den zuständigen Organen insbesondere
der Uno peinlich. Immerhin haben einige hochrangige Funktionäre
das heikle Thema angesprochen, so die frühere Sonderbeauftragte
des Uno-Generalsekretärs für Bosnien, Elisabeth Rehn.
Im März 1999 führte sie in einer Rede vor dem Europarat
aus, dass sie sich als Leiterin einer Friedensmission, welche zu
97% männliches Personal beschäftige, der Tatsache der
Prostitution und des Menschenhandels bewusst sei. In Deutschland
laufen mehrere Strafverfahren gegen KFOR-Soldaten. Einer ist bereits
verurteilt – wegen Missbrauchs einer Vierzehnjährigen
in einem Bordell in Mazedonien.
Fakten, welche der Bevölkerung zu vermitteln wären, bevor
Auslandeinsätze Regel werden. Nebst dem unendlichen menschlichen
Leid, das dabei verursacht wird, darf auch das Aids-Risiko nicht
verschwiegen werden, das Frauen und Freundinnen von im Ausland eingesetzten
„Berufssoldaten auf Zeit“ treffen kann.
Die Zunahme von Prostitution und Frauenhandel rund um internationale
Friedenseinsätze hat die Sonderbeauftragte der Uno-Menschenrechtskommission
für Gewalt gegen Frauen, Radhika Coomaraswamy, am 9. April
2001 zu einem Bericht an die Medien veranlasst. Dabei wurden die
Vorkommnisse in und um Kosovo besonders scharf kritisiert.
Es sind Begleiterscheinungen von Friedenseinsätzen mit Berufsmilitär,
die nicht einfach unterdrückt und verschwiegen werden dürfen.
Im Rahmen der Diskussion um die vom Bundesrat angestrebten militärischen
Auslandeinsätze sind sie anzusprechen – nicht zu dramatisieren,
aber offen darzulegen. Zumal sie von offiziellen Stellen der internationalen
Organisation als Problem eindeutig identifiziert sind.
Jede Frau und jede Freundin eines zukünftig im Ausland eingesetzten
Schweizer Soldaten muss immerhin wissen, dass eine reale Gefahr
besteht, dass ihr Sohn, Ehemann oder Freund als HIV-Infizierter
nach Hause zurückkehrt.
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