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Einfache Anfrage vom 19. April 2007

„Luchs macht Abschüsse überflüssig“ – bald auch im Kanton St. Gallen?

Wie das BAFU berichtete, nahmen im Kerngebiet der Luchse in der Nordostschweiz die Abschusszahlen (Jagdstrecke) von Rehen und Gämsen in den letzten sechs Jahren stärker ab als in benachbarten Gebieten ohne oder mit wenig Luchspräsenz. Diese Abnahme der Jagdstrecke deute auf eine Abnahme der Wildbestände hin. Der Wildraum SG-2/Speer ist seit der Wiederansiedlung durchgehend vom Luchs besiedelt worden. Das geht auch aus dem LUNO Bericht per Ende 2006 klar hervor; in mehreren Wildräumen lag der Rückgang im mittleren Bereich (minus 11 – 30 %) in zwei Wildräumen war er gross; Reh minus 44 % im Wildraum SG-2/Speer, Gämse minus 37 % im Wildraum SG-1b/Raum Alvier, auf Revierebene waren die Abweichungen vom langjährigen Mittel der Jagdstrecken teilweise erheblich und erreichten bis zu zwei Dritteln.

Ungeachtet dieser Tatsache und der Forderung der rund 14000 Petitionäre vom Komitee „Stopp Luchs Versuchsprojekt“, hat die Regierung ihre Aussage in weniger als vier Monaten wieder geändert. Am 16. Mai 2006 hat die Regierung auf eine Einfache Anfrage nach weiteren Luchsaussetzungen von KR Graf u.a. festgehalten, dass grundsätzlich zu berücksichtigen ist, dass Wiederansiedlungen sehr aufwändig sind. Wiederansiedlungen „auf Vorrat“, d.h. ohne dass man die genaue Bestandessituation und die Ursachen für allfällige Bestandesrückgänge kenne, oder weil andernorts Probleme mit Überpopulationen zu lösen seien, könne sich der Kanton St. Gallen nicht leisten. Am 11. September 2006 hat der strategische Lenkungsausschuss beschlossen, ein weiteres Luchspaar im Frühling 2007 auszusetzen - ein weiteres Luchspaar soll im Winter 2007/08 folgen. Die Umsiedlung ist im Kanton Thurgau vorgesehen. Bekanntlich wurde TURO schon im Thurgau ausgesetzt – er blieb nach seiner Freisetzung aber nur kurze Zeit im Gebiet und wanderte weitere. Im Kanton Thurgau hat es wohl am wenigsten Widerstand gegeben, ist doch TURO nur kurze Zeit nach seiner Freisetzung im Thurgau geblieben. Heute hält er sich im Tössstock auf. Also sind wir im Kanton insbesondere im Wildraum SG-2/Speer hautnah damit betroffen.

Der „Tagi“ berichtete anfangs Jahr „Luchs macht Abschüsse überflüssig“ – am Tössstock sei die Jagd verboten. Durch die Region streifen gleich zwei ausgewachsene Raubkatzen; Turo und Nema und mindestens ein Jungtier. Der Luchs ernährt sich zu 90 Prozent von Rehen und Gämsen, pro Woche frisst er durchschnittlich ein solches Tier. „Luchs macht Abschüsse überflüssig“ – auch im Kanton St. Gallen?

Ich bitte die Regierung folgende Fragen zu beantworten:

  1. Was hat die Regierung zum plötzlichen Sinneswandel bewogen? War es der Goldsegen vom Bund oder die erzielten Millionen-Überschüsse der Staatsrechnungen 2005 und 2006?
  2. Warum unterstützt die Regierung die kostspielige Weiterführung des LUNO-Projekts, trotz den damaligen offensichtlich falschen Begründungen des BUWAL? (Luchse könnten sich wegen den Hindernissen wie Autobahnen, Flüssen und dicht besiedelten Wohngebieten nicht natürlich ausbreiten).
  3. Mit der neuen Aussetzung werden die Wildbestände von Reh und Gämse weiter massig reduziert. Im Tössstock, ist die Jagd verboten. Ist es das Ziel des Lenkungsausschusses, dass nach Ablauf der Pachtperiode 2000 – 2008 diese Regelung auch für den Kanton St. Gallen angewendet wird?
  4. Was passiert dann mit den Jagdrevieren, die neu zur Verpachtung ausgeschrieben wurden? Im 1999 haben alle Jagdgesellschaften des Kantons den 8-jährigen Pachtvertrag – ohne vorherige Ankündigung einer Wiederansiedlung des Luchses seitens der Regierung – unterzeichnet. Werden diesmal die Jagdreviere frühzeitig und offen über die Pläne der Regierung informiert? Werden aufgrund der bereits eingetretenen und durch die weiteren Luchsaussetzungen zusätzlichen Negativ-Veränderungen der Jagdstrecke die Pachtzinsen in den betroffenen Gebieten dementsprechend reduziert?
  5. Mit der neuen Aussetzung von Luchsen ist der Wildbestand von Reh und Gämsen weiter gefährdet, die Artenvielfalt kann damit künftig nicht mehr gewährleistet werden. Wo bleibt da der Artenschutz? Was plant die Regierung dagegen zu tun? Sollen künftig die dem Luchs geopferten Tiere wieder mit staatlichen Mittel angesiedelt werden?
  6. Das Projekt LUNO wird gemäss den Verantwortlichen per Ende 2009 beendet. Wird der Kanton St. Gallen auf den 31. Dezember 2009 den Vertrag dann auch fristgerecht kündigen?

 

 

 

 

Antwort der Regierung vom 3. Juli 2007

 

 

 

Die interessierten Bürgerinnen und Bürger können sich unter www.ratsinfo.sg.ch über die Geschäfte des Kantonsrates auf dem Laufenden halten.

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aktualisiert 21.04.2007