| Wortgefecht
wegen Militärvorlage
Kaltbrunn: Die SVP See-Gaster lud zur
Orientierung und Diskussion über Abstimmungsvorlagen ein
An der SVP-Veranstaltung
vom Mittwochabend im Gasthof Löwen in Kaltbrunn kreuzten zwei
SVP-Politiker scharf die Klingen. Bezüglich Abstimmung „Armee
XXI“ bezogen sie völlig unterschiedliche Positionen.
Josef Fäh
Zwar konnte Bezirksparteipräsidentin Marianne Steiner, Kaltbrunn,
offenbar wegen Terminkollision mit anderen Veranstaltungen nur wenige
Damen und Herren begrüssen. Die SVP See-Gaster nahm zwei der
insgesamt neun Vorlagen, über die am 18. Mai abzustimmen ist,
ins Visier: Die von de SP lancierte „Gesundheitsinitiative“
sowie die vom Bundesrat und Parlament befürwortete Vorlage
„Armee XXI und Bevölkerungsschutz“.
„Dreifuss ist nicht unschuldig“
„Der alle Jahre wiederkehrende Prämienanstieg
der Krankenversicherung macht Angst“ sagte SVP-Nationalrat
Theophil Pfister, Flawil, einleitend zu seinem Kurzreferat über
die „Gesundheitsinitiative“ der SP. Bundesrätin
Dreifuss sei nicht unschuldig an dieser Entwicklung. „Sie
hat wohl immer das Beste gewollt, aber nicht darauf geachtet, was
es kostet“, fügte Pfister bei. Er wies vorerst auf die
von der SVP lancierte Initiative „für tiefere Krankenkassenprämien
in der Grundversicherung“ hin, für die zurzeit Unterschriften
gesammelt werden. Scharf ging er mit der SP-Initiative ins Gericht.
Bundesrat und Parlament lehnen sie ab, weil sie für alle die
Mehrwertsteuer erhöht, viele Versicherte, die heute eine Prämienverbilligung
erhalten, stärker belastet und die Anreize zu kostenbewusstem
Verhalten fast vollständig abbaut. „Bei Annahme der Initiative
würde die Mehrwertsteuer die Wirtschaft extrem treffen und
im gesamten Gesundheitssystem würde die Kostenbremse ausgeschaltet“,
fasste Pfister zusammen.
Auch gesellschaftliches Problem
Dass sich die Meinungen unter SVP-Politikern
nicht immer zu decken brauchen kam in den Referaten zu „Armeereform
XXI und Bevölkerungsschutz“ drastisch zum Ausdruck. Vehement
setzte sich der ehemalige stellvertretende Regimentskommandant,
SVP-Kantonsrat Kurt Alder, St. Gallen, für die bundesrätliche
Vorlage ein. „Ein tiefgreifender Umbau des Wehrwesens ist
unbedingt erforderlich“, betonte er. Das Ganze sei auch ein
gesellschaftliches Problem, denn die heutige Armee werde von der
Gesellschaft nicht mehr getragen. Die von Bundesrat und Parlament
verabschiedete Änderung des Bundesgesetzes, sieht wichtige
Neuerungen vor. Die Armee wird um rund einen Drittel von heute 350.000
auf 220.000 verkleinert. „Sie ist auf die aktuellen Bedrohungen
und Gefahren ausgerichtet, anpassungsfähig und flexibel einsetzbar“,
sagte Alder. Der Bevölkerungsschutz werde primär auf aktuelle
Gefahren wie Katastrophen, Notlagen und die Folgen terroristischer
Gewaltakte und sekundär auf einen weniger wahrscheinlichen
bewaffneten Konflikt auf die Schweiz ausgerichtet.
„Eine Bankrotterklärung“
Auf welchem Fundament denn die Schweizer
Armee und überhaupt die gesamte Demokratie noch stehe, wenn
man nicht mehr den Mut habe, zur Bundesverfassung zu stehen, fragte
Kantonsrat Paul Meier, Ernetschwil, der mit scharfem Geschütz
gegen die Vorlage ins Feld zog. In der Bundesverfassung heisse es
klar und deutlich: „Jeder Schweizer ist wehrpflichtig“.
Die Annahme der Armeereform und des Bevölkerungsschutzes hätte
eine entscheidende Veränderung in der Sicherheitspolitik zu
Ungunsten des Landes zur Folge, ist Meier überzeugt. „Diese
Bankrotterklärung“ hätte seiner Ansicht nach auch
die Übergabe der eigenen Verantwortung an fremde Mächte
zur Folge. Weiter tischte Paul Meier Argumente auf, die dem neben
ihm sitzenden früheren Regimentsoffizier und Parteikollegen
beinahe den Kragen platzen liessen. Jedenfalls kam es zwischen den
beiden Kantonsräten zu einem heftigen Wortgefecht – und
beide beharrten auf ihren Standpunkten. Im Publikum lösten
die Referate eine rege Diskussion aus.
SVP: 9 Mal Nein, 1 Mal Ja
Zu allen eidgenössischen Vorlagen,
über die am 18. Mai abgestimmt wird, sagen die Delegierten
der SVP des Kantons St. Gallen Nein. Ein klares Ja empfiehlt sie
indessen zur kantonalen Abstimmung über das Ladenschlussgesetz.
Die SVP stehe ein für einen guten Wirtschaftsstandort St. Gallen,
für mehr Markt und weniger Staat, sagte Kantonsrätin und
Nationalratskandidatin Marianne Steiner.
nach oben
|