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„Schwarzenbach habe ich bewundert“

„Südostschweiz-Wahlserie (VII): Marianne Steiner, SVP-Nationalratskandidatin aus Kaltbrunn

Marianne Steiner hat sich als scharfzüngige Politikerin mit strammem SVP-Kurs kantonal einen Namen gemacht. Im Interview legt sie ihre politischen Positionen dar.

Mit Marianne Steiner sprach Gaudenz Looser

Frau Steiner, Sie waren während einiger Zeit berufstätig, Mutter und in Ausbildung zugleich. Sind Sie mit dieser Dreifachbelastung gut zurecht gekommen?

Marianne Steiner: Ja, mein Mann hat mich immer in allen Belangen unterstützt.

Haben Sie sich nie eine Entlastung durch den Staat gewünscht?

Marianne Steiner: Nein, nie. Das ist mir nie in den Sinn gekommen. Ich habe das in Eigenverantwortung gemanagt, entweder mit den Eltern oder mit den Nachbarn.

Sie hätten Ihre Kinder auch nie in eine Tagesschule gegeben?

Marianne Steiner: Nein, ich war froh, dass sie über Mittag nach Hause gekommen sind. Durch die rege Diskussion am Mittagstisch wusste ich immer, was in der Schule los war, und ob allfällige Gefahren im Anzug sind. Diese wichtige Wahrnehmung für die Eltern geht mit dem Mittagstisch und mit der Basisstufe, welche der Kanton nun im Versuchsprojekt startet, verloren.

Wie kamen Sie zur Politik?

Marianne Steiner: Ich kam mit 25 zur Politik, politisch geprägt wurde ich aber noch früher: In der Sekundarschule im Kloster Wurmsbach hatte ich eine alte, weise Geschichtslehrerin. Sie prophezeite uns damals, die Generation nach uns werde es erleben, dass die Schweiz eine Kolonie werde. Damals haben wir das nicht besonders ernst genommen. Doch heute sehen wir, dass diese Gefahr durchaus vorhanden ist, wenn die Dinge so weiter laufen. Wenn der EU-Kurs und die Ausländer- und Asylpolitik von Bundesrat und den anderen Parteien nicht korrigiert wird, sehe ich die Eigenständigkeit der Schweiz in Gefahr. Was mich heute bewegt, Politik zu machen, ist, zu verhindern, dass wir Fremde werden im eigenen Land. Darum kandidiere ich für den Nationalrat und will mich – zusammen mit der SVP – für unsere Demokratie, für unsere Volksrechte und Eigenständigkeit einsetzen.

Hat es weitere Figuren gegeben, die Sie politisch geprägt haben?

Marianne Steiner: Da war sicher James Schwarzenbach. Er hat damals die Ueberfremdungsinitiative lanciert und, wie schon meine Geschichtslehrerin, weiter gesehen als andere. Den habe ich schon bewundert. Ich war ja dann auch sehr aktiv für die 18-Prozent-Initiative. Vor der Abstimmung hat der Bundesrat versichert, er habe alles im Griff. Nichts hat er im Griff – nun soll die Ausländerquote mit Einbürgerungen gesenkt werden. Neu soll ja schon die dritte Generation bei Geburt den Schweizer Pass erhalten. Mit dem Bundesgerichtsentscheid zur Einbürgerung bin ich überhaupt nicht einverstanden. Einbürgerungsentscheide sind Volksentscheide und diese sind zu respektieren.

Warum ist es so wichtig für Sie, dass man den Ausländer-Anteil in der Schweiz einschränkt?

Marianne Steiner: Ich denke, die Schweiz sollte die Schweiz bleiben können. Ich habe nichts dagegen, wenn Ausländer sich integrieren in unserem Land Bürger werden. Dann sollen sie aber den zweiten Pass abgeben, sodass sie vollumfänglich Schweizer sind. Wenn sie sich aber nicht integrieren und sich unserer Kultur und unserer Gesetzgebung nicht anpassen, dann funktioniert das nicht. Dann gibt es Unruhe. Wie gesagt: wir sollen nicht Fremde werden in unserem eigenen Land.

Können Sie diese Unruhe noch ein bisschen näher beschreiben?

Marianne Steiner: Nun, die kann man tagtäglich erfahren. In den Schulen, nach Eishockey-Spielen usw. Der Dampfkessel brodelt, zur Zeit hält der Deckel noch. Wir müssen den Kurs jetzt dringend ändern, bevor das ganze explodiert. Deshalb habe ich grosse Hoffnung auf die Wahlen, damit wir mit mehr SVP in Bern etwas bewirken können. Wer etwas verändern will in diesem Land, wählt SVP. Wir sind die einzigen, die verhindern können, dass unser Land kaputtgemacht wird.

Die Schweiz steht ja bekanntlich vor dem grossen Problem einer Gesellschaft mit zu vielen Alten und zu wenigen Jungen im Arbeitsleben. Die Einbürgerung von Ausländern einerseits und familienfördernde Massnahmen von Mutterschaftsver-sicherung bis externe Kinderbetreuung sind Mittel, die dieses Problem zumindest entschärfen könnten. Ihre Partei lehnt beides vehement ab. Was ist ihre Alternative?

Marianne Steiner: Früher war es so, dass man Familie einfach hatte. Man hat Kinder grossgezogen und hat die Familienarbeit hervorragend gemacht. Dann kam die 68er Bewegung, die sagte, Frauen müssten arbeiten und Hausfrauen seien nichts wert. Das kam ganz klar von links. Dann kamen noch Studien, die sagten, soundsoviel kostet ein Kind, was weiter abgeschreckt hat. Aber früher hat man nicht so viel verdient wie heute, aber trotzdem Kinder gehabt und zwar nicht wenige. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir den Mut aufbringen müssen, den Kurs der falschen Politik zu ändern und die traditionelle Familie mit Mann, Frau und Kind vom Staat zu unterstützen und zu fördern im Sinne von steuerlichen Entlastungen. Denn dieses Modell ist hervorragend organisiert, das Kind erhält dabei Liebe, Erziehung und wird gesellschaftlich akklimatisiert. Natürlich ist heute Kinder haben teuer, aber wenn man die Erziehung und Betreuung auf den Staat abwälzt, muss er dafür eben auch immer höhere Steuern holen. Darum: Wenn der Staat rigoros abspeckt in all jenen Bereichen, die nicht zu seinen Kernaufgaben gehören, bleibt auch wieder mehr Geld beim einzelnen.

Nochmals zurück zur Bevölkerungsentwicklung: Wie können wir dafür sorgen, dass es wieder mehr Kinder gibt? Reichen da Steuererleichterungen?

Marianne Steiner: Ich bin überzeugt, wenn wir den Familien aufzeigen, wie viel wert sie sind und welch wichtige Aufgabe sie übernehmen, indem sie Kinder haben, ihnen eine gute Erziehung geben und so das Geichgewicht der Generationen sicher und wir sie gleichzeitig mit weniger Steuern belasten, ist das ein Weg in die richtige Richtung. Der Staat muss abspecken, damit allen wieder mehr zum Leben bleibt.

Nun ist die Stimmung in der Bevölkerung aber Fakt: Viele Frauen wollen keine Kinder wegen der Karriere und wegen dem Geld. Wäre es da nicht realistischer, dies zu akzeptieren und für eine umfassende externe Kinderbetreuung zu sorgen?

Marianne Steiner: Die Kinderphase ist ja eigentlich nur eine kurze Phase. Die Kinder profitieren aber viel davon, wenn sie von ihren Müttern begleitet werden und es ist meiner Meinung nach am besten für Kinder und Gesellschaft. Wir müssen uns klar bewusst sein, dass eine staatliche externe Kinderbetreuung teurer kommt. Damit würden Eltern zusätzlich belastet.

Sie widmen vergleichsweise viel Kraft und Zeit ihrem Feldzug gegen en Luchs. Gibt es nicht dringendere Missstände?

Marianne Steiner: Angesichts der maroden Staatsfinanzen ist es dringend notwendig, dass sich der Staat wieder auf seine Kernaufgaben konzentriert, statt sinnlos Geld zu verschleudern für Projekte, die nicht nötig sind. Und die Luchsfreisetzung ist ein solches Projekt. Die Schweiz ist ein Sanierungsfall. Die Schulden des Bundes sind auf 122.3 Milliarden angestiegen. Wir bezahlen jede Sekunde rund 120 Franken Schuldzinsen. Es ist unverantwortlich, diese Schulden unserer nächsten Generation übergeben zu müssen. Die SVP setzt sich ganz klar für eine Reduktion der Bundesausgaben ein.

...ausser bei der Landwirtschaft?

Marianne Steiner: Die Landwirtschaft ist eine Kernaufgabe. Sie ist für die Versorgung unseres Landes verantwortlich. Und die Bauern sind sonst schon in einer sehr schwierigen Lage mit der Agrarpolitik 2007. Die muss man nicht noch zusätzlich belasten.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie das „Tagblatt“ als „Inkarnation der Widersprüchlichkeit“ bezeichnet?

Marianne Steiner: Das selbe „Tagblatt“ hat mich auch als „Grande Dame der SVP“ bezeichnet. Das muss man sich erst einmal erarbeiten. Abgesehen davon habe ich aber eine dicke Haut.

Sie haben das Schlusswort....

Marianne Steiner: Das Schiff Schweiz ist auf falschem Kurs und ich will zusammen mit der SVP-Fraktion diesen Kurs rechtzeitig mit voller Kraft korrigieren. Dafür braucht es mehr SVP. Nur so kann etwas verändert werden, zum Beispiel in der Schuldenwirtschaft, bei der schleichenden Preisgabe unserer Unabhängigkeit und beim Asylmissbrauch.

„Ich bin Patriotin“

Marianne Steiner, Jahrgang 1950 ist als Einzelkind in einer – „unpolitischen“ Arbeiterfamilie in Schmerikon aufgewachsen. Sie habe früh gelernt, dass man nicht alles haben könne, dass es Grenzen gebe, und vor allem: dass man Geld erst verdienen müsse, bevor man es ausgeben könne. Weil beide Elternteile gearbeitet haben, war sie schon früh angehalten, sich an der täglichen Hausarbeit zu beteiligen.

Prägend in ihrer Jugendzeit seien drei schwere gesundheitliche Rückschläge innert fünf Jahren gewesen, beim letzen, einem geplatzten Blinddarm, hätten sie die Aerzte schon aufgegeben. „Wenn mich nicht eine Schwester Tag und Nacht gepflegt hätte, hätte ich wohl tatsächlich Abschied nehmen müssen von diesem Leben. Dass ich überlebt habe, bedeute für mich, dass ich noch eine Aufgabe habe in meinem Leben, und die nehme ich gerne an.“

Beruflich nicht ohne Ehrgeiz, wurde Marianne Steiner im zarten Alter von 20 Jahren bereits Filialleiterin einer Bank in Richterswil. Erst danach, bereits verheiratet und Mutter von zwei Kindern, holte sie neben Haushalt und Beruf noch den KV-Abschluss nach und erwarb das Treuhänder-Diplom.

Bei den Nationalratswahlen von 1999 schaffte sie das beste Einzelstimmen-Resultat aller Kandidierenden im Linthgebiet, das beste Ergebnis als Frau im Kanton und den 9. Platz aller Kandidierenden im Kanton.

Bei den Grossratswahlen 2000 wurde sie dann als erste SVP-Kantonsrätin im Gaster mit dem drittbesten Ergebnis von 1690 Stimmen ins kantonale Parlament gewählt. Sie ist ferner Präsidentin der SVP See-Gaster, Mitglied des leitenden Ausschusses der SVP Kanton St. Gallen, Mitglied des Zentralvorstandes der SVP Schweiz und Vize-präsidentin der SVP-Frauen Schweiz.

Sie setzt sich in stets scharfem Ton ein für kleine und mittlere Unternehmen und Landwirtschaft, sowie gegen „überbordende Sozialwerke“, „Schlendrian im Asylwesen“, gegen die EU und mit grosser Leidenschaft gegen den Luchs.

Ihr markantester Satz ist: „Ich bin Patriotin und eine unermüdliche Kämpferin für das Wohl unseres Volkes und unseres Landes.“

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aktualisiert 11.02.2005