| Grosse
Diskussion im kleinen Kreis
VP See und Gaster informierte über
Gesundheitssteuer-Initiative und Armeerefom
Zwei brisante Themen aus der geballten
Ladung von Vorlagen, die am 18. Mai zur Abstimmung gelangen, bildeten
den Schwerpunkt der öffentlichen SVP-Veranstaltung in Kaltbrunn.
Referenten waren Nationalrat Theophil Pfister, Flawil und die Kantonsräte
Kurt Alder, St. Gallen und Paul Meier, Ernetschwil.
Brigitte Erni
Nur eine kleine Schar Interessierter folgte der Einladung der SVP
zur Informationsveranstaltung vom Mittwoch im Kaltbrunner Restaurant
„Löwen“, umso lebhafter und ungezwungener gestaltete
sich indessen der Meinungsaustausch. Präsidentin Marianne Steiner
freute sich, kompetente Politiker für diesen Anlass in Kaltbrunn
zu begrüssen, leider habe allerdings trotz intensiven Bemühungen
kein Pro-Referent für die Gesundheitssteuer-Initiative gefunden
werden können. So war es für Nationalrat Theophil Pfister
ein Leichtes, seine Argumente für die Ablehnung dieser Initiative
an den Mann, respektive die Frau zu bringen, zumal in diesem Bereich
unbestritten Handlungsbedarf besteht. Die laufenden Prämienerhöhungen
bereiten allen politischen Lagern Sorgen, die Rezepte zur Sanierung
des Gesundheitswesens sind allerdings recht unterschiedlich.
Die SP-Initiative möchte im Wesentlichen
einen andern Finanzierungsmodus einführen, welcher sich auf
eine Erhöhung der Mehrwertsteuer sowie die Einführung
einer Reichtumssteuer stützt.
Schlanker Leistungskatalog
Demgegenüber plädiert die SVP
für eine Verkürzung dieses nach ihrer Auffassung allzu
komfortablen Leistungskataloges, für die Erhöhung des
Selbstbehaltes, für die Auflösung des Vertragszwanges
mit den Aerzten, für das Hausarztmodell. Weitere von den Versicherten
gewünschte Leistungen können über Zusatzversicherungen
abgedeckt werden.
Diese Punkte werden auch in der Prämiensenkungs-Initiative
der SVP, welche gegenwärtig lanciert wird, postuliert. Allerdings
müsse realistischerweise davon ausgegangen werden, dass eine
Verbilligung kaum möglich sei, jedoch eine Stabilisierung der
Kosten als machbar erscheint. Bedenken äusserte der Referent
vor allem gegen die in der Initiative vorgeschlagene Erhöhung
der Mehrwertsteuer, welche Familien und auch die Wirtschaft über
Gebühr belaste, aber auch gegen die Reichtumssteuer, die sich
als wirtschaftsschwächender Bumerang erweisen könnte.
Umbau notwendig
Als hoher Militär bewegte sich Kantonsrat
Kurt Alder beim Thema Armeereform auf vertrautem Terrain. Er erachtet
eine drastische Kursänderung als dringend notwendig, im bisherigen
Rahmen könne unsere Armee nicht weiter funktionieren. Wichtig
sei, dass der Zweck der Armee, speziell die Raumsicherung, die Existenzsicherung
für die Bevölkerung und die Friedensförderung gewährleistet
seien.
Die Bedrohungssituation habe sich in den
letzten Jahren grundlegend gewandelt, heute stehe weniger ein Grossangriff
auf unser Land, sondern Einsätze bei Naturkatastrophen, Terrorismus
und Konflikte in der übrigen Welt im Vordergrund. Eine kleinere,
flexiblere, moderne und auch finanziell tragbare Armee sei gefragt,
die auch die Kooperation sowohl im eigenen Land als auch mit dem
Ausland verbessern könne. Demgegenüber war beim Kontra-Referenten
Paul Meier ein tiefes Misstrauen gegen die Reform zu spüren,
die er als Bankrott-Erklärung unserer Aussen- und Sicherheitspolitik
bezeichnet. Hypothetische Einwände, die in der Angst vor fremden
Mächten, in der Untergrabung der Neutralität und in der
Annäherung an die Nato gipfeln, prägten sein emotionales
Votum. Einiges Misstauen, aber auch etwas Bedauern über den
Wandel der Zeiten, der auch die Armee nicht verschont, war in den
zahlreichen Diskussionsbeiträgen spürbar. Die SVP zeigt
sich in dieser Frage gespalten: Knappe Zustimmung zur Reform in
der schweizerischen Partei, hingegen Ablehnung auf kantonaler Ebene.
Neunmal NEIN und ein JA
Die Delegierten der SVP des Kantons St.
Gallen sagen NEIN zu allen eidgenössischen Vorlagen vom 18.
Mai. Einzig bei der kantonalen Vorlage, dem Ladenschlussgesetz,
wurde die Ja-Parole beschlossen. Hier geht es um flexiblere Ladenöffnungszeiten.
Der Entscheid für dieses Gesetz wird mit dem Einstehen für
den Wirtschaftsstandort St. Gallen, für mehr Markt und weniger
Staat begründet.
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