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Gleich, aber doch ganz anders

Rapperswil: GV des Hauseigentümerverbandes Rapperswil mit Nationalratskandidatenkür

Gleicher Anlass, gleiche Kandidaten, anderer Ort. Auch der HEV Rapperswil präsentierte Nationalratskandidaten aus dem Linthgebiet. Diesmal aber musste Marianne Steiner „in die Höhle des Löwen“, ins Hotel Jakob in Rapperswil, und wurde von Martin Klöti zum höchst amüsierlichen „Pas de Deux“ gebeten.

Uschi Meister

Muss vorab nachgetragen werden, dass sich an der Diskussion ebenso Jakob Büchler hätte beteiligen sollen, da er aber zu einer zweiten Veranstaltung weiter musste, liess er sich zwischen den GV-Traktanden kurz auf den Zahn fühlen und eilte von dannen.

Eingesprungen als Dritter im Bunde war spontan Karl Güntzel, Kantonalsekretär des HEV, Kantonsrat in St. Gallen und ebenso Nationalratskandidat. Er hielt sich in lokalen Belagen zurück, um den Lokalmatadoren nicht die Show zu stehlen. Als Diskussionsleiter amtete Hubert Ganz, doch diese Funktion war nicht gross von Nöten.

Da sassen nämlich Kandidaten, so richtig zum Anfassen, die überdies fast alle Anwesenden kannten und die Situation gut im Griff hatten. Martin Klöti sprach dann auch von einem „Pas de Deux“ und liess der Dame höflich den Vortritt – fragte sich höchstens noch, welch romantisches Werk da getanzt werde. Seit 22 Jahren Treuhänderin in Kaltbrunn, Patriotin, Kantonsrätin seit 2000, kämpft für weniger Steuern, Abgaben, Gebühren und für mehr Arbeitsplätze – Marianne Steiner hatte ihre eröffnende Schrittfolge fehlerfrei hinter sich gebracht.

Unternehmertum im Blut

Mindestens an Minuten dreimal länger präsentierte sich Martin Klöti, allein vom Lebenslauf her hatte er beachtliche Vielfalt zu bieten, und rhetorisch zeigte er sich ohnehin weit überlegen: Lehrer, Landwirt, Verkauf, Marketing, Visionen, das Unternehmertum von der Picke auf gelernt. Kehrtwende zur Landschaftsarchitektur bei einem Besuch im botanischen Garten von Edinborough, Stadtrat mit Ressort Siedlungsplanung, und nun nicht zuletzt Hausherr im Hotel Jakob. Da hatte er noch einen gut Teil weggelassen, deklarierte als seine Anliegen die Bereiche Bildung und Kultur, und zur eigenen Person: „Ich bin ein Mensch, der gerne etwas aufbaut.“

Marianne Steiner hatte mit Pokerface zugehört und kehrte dann ganz zielgerichtet und energisch auf den Boden der Probleme von Haus- und Grundeigentümern zurück. Allerdings eher mit einem Frustpunkt, nämlich dem, dass die nächste Mietinitiative bereits im Februar 2004 zur Abstimmung komme, der Systemwechsel sei auf April 2008 angesagt. Der Eigenmietwert solle nicht weiter besteuert werden, der sei nicht anderes als ein fiktives Einkommen, das eigentlich niemand habe. Im Gegenzug solle der Abzug der Schuldzinsen nicht mehr gestattet sein, und ganz generell sei doch der Grundeigentümer die Milchkuh der Nation.

Sitcom auf der Schulbank

Da hatte aber auch Martin Klöti die Hausaufgaben gemacht in Sachen Liegenschaftenbuchhaltung. Der Unterhaltsabzug gebe doch einen positiven Schub, desgleichen vernünftige Bausparmodelle. Kein anderes Land zeige ein derat verkrampftes Verhältnis zum Grundeigentum, wusste Karl Güntzel einzuwerfen, über dies stehe St. Gallen am „Schwanz der Schweiz“ bei der Mietwertbesteuerung.

Das optische Bild ergab eine Schulbank mit einem rotzfrechen, aber wohlerzogenen Bengel, der voller Ideen mit der Steinschleuder spielte, und einem übervernünftigen Mädchen, daneben eine sich humorlos gebende Aufsichtsperson.

Mit zunehmendem Wohlfühleffekt und Publikumsbeteiligung schweifte die Diskussion wieder ab und begab sich auf das heissere Pflaster. Man dürfe doch nicht jeden zu dem ausbilden, was ihm gerade gefalle. Martin Klöti schien sein eigenes Berufsgebaren vergessen zu haben, und die Kaltbrunnerin wetterte gegen Wildtierbiologen, Luchse und Geographen. Schliesslich hatten sich beide Ballettratten als brillante Sprungtalente erwiesen. Das Publikum hatte seine helle Freude an der tänzelden Performance von Kandidaten zum Anfassen, jedenfalls sofern sie überhaupt mal stillhielten und man sie denn zu fassen kriegte.

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aktualisiert 11.02.2005