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Begierige und Trittbrettfahrer

Eine Zwischenbilanz zur einstweiligen regionalen Ausgangslage für die Nationalratswahlen

Wer nächsten Herbst aus dem Linthgebiet für Bern antritt, hat sich in den letzten Wochen grossmehrheitlich geklärt. Es kandidieren wohl sowohl Begierige als auch Trittbrettfahrer. Eine Zwischenbilanz zeigt: Es gibt in Einzelfällen realistische Chancen, doch die kantonsweite Konkurrenz ist gross.

Ruedi Hertach


Der Rapperswiler Paul Hofmann (im Amt von 1966 bis 1979) war der bislang letzte Vertreter des Linthgebietes im Ständerat. Und diese Feststellung dürfte wohl auch nach den Wahlen vom kommenden Herbst gültig bleiben. Die zwei Bisherigen, also Erika Forster und Eugen David, treten wieder an, und wenn ihnen ernstliche Konkurrenz erwächst (beispielsweise von der SVP), so dürfte sie kaum von diesseits des Rickens stammen.

Und so konzentriert sich die Hoffnung darauf, dass Josef Kühne (im Amt von 1979 bis 1999) ab nächstem Herbst nicht mehr der letzte Nationalrat genannt werden muss, den das Linthgebiet gestellt hat. Wieviel diese Hoffnung wert ist – dazu lässt sich nach den Nominationen der vergangenen Wochen eine Zwischenbilanz ziehen. Zwar hat die SP-Kantonalpartei ihre Listen noch nicht abgesegnet, und auch das unabhängiggrüne Lager hat noch nicht nominiert. Doch zur Hauptsache dürfte die personelle Ausgangslage trotzdem feststehen.

Bisher sieben Leute

Die vorläufige Situation im zusammenfassenden Ueberblick:

Die SVP hat am 13. Januar in Gossau eine gesamtkantonale Liste beschlossen, mit der Kaltbrunner Kantonsrätin Marianne Steiner als Exponentin aus dem Linthgebiet.

Die CVP segnete zwei Tage später in Uzwil zwei Listen ab, wobei auf der Liste Südwest der Schänner Kantonsrat Jakob Büchler und der Uzner Ortsparteipräsident Bernhard Kuster unsere Region repräsentieren.

Die FDP legte sich am 12. Februar in St. Gallen auf eine Liste fest, die vom Linthgebiet den Namen des Rapperswiler Stadtrates Martin Klöti enthält.

Die SP hat zwar die kantonalen Nominationen noch nicht vollzogen, doch sieht jedenfalls die Aufstellung einer Frauen-, einer Männer- sowie einer Juso-Liste fest, und mit aller Wahrscheinlichkeit werden darauf aus unserer Region die Rapperswiler Kantonsrätin Daniela Colombo, der Joner Dorjee Kokasang sowie Alfonso Aguilera aus Wagen figurieren.

Unterschiedliche Strategien

Die Uebersicht zeigt, dass sich die Regionalparteien auf unterschiedliche Art in Szene gesetzt haben. SVP und FDP haben sich je auf eine einzige Person konzentriert (die FDP von vornherein, die SVP durch Verdikt der kantonalen Nominationsversammlung) – in beiden Fällen entspricht das auch der Begrenzung ihrer Kantonalparteien auf eine einzige Liste. Die CVP, bei der es zwei Listen gibt, tritt mit einem regionalen Duo an (und hätte sogar ein Trio haben können, denn eine Listenlinie blieb ja am Schluss leer). Und die SP mit kantonsweit mindestens drei Listen schickt drei Leute aus dem Linthgebiet ins Rennen.

Das ergibt auch einige Unterschiede zu den Strategien vor vier Jahren. Damals beschränkte sich die hiesige SP auf eine einzige Nomination, wogegen die SVP (zwei Kandidaturen) die FDP (drei) und die CVP (vier) mit einer grösseren Zahl als diesmal antraten.

Direktes oder indirekten Ziel?

Wer für den Nationalrat kandidiert, kann es aus zweierlei Gründen tun. Er (oder sie) kann felsenfest darauf ausgehen, nach Bern gewählt zu werden. Es kann ihm (oder ihr) aber auch primär darauf ankommen, sich durch diese Plattform für andere Gelegenheiten (beispielsweise für die nächstjährigen Kantonsratswahlen) bekannt zu machen.

Am ausgeprägtesten von der zweigenannten Stossrichtung scheint man bei der SP See-Gaster auszugehen, deren Nominationen ausdrücklich unter dem Stichwort „Nachwuchsförderung“ lanciert wurden. Die pointierte, klare Art, in der sich namentlich Dorjee Kokasang, aber auch der noch jüngere Alfonso Aguilera an der regionalen Parteiversammlung präsentierten, belegte diese Strategie. Auch für Bernhard Kuster von der CVP dürfte die Nationalratskandidatur primär eine Aufwärmrunde sein.

Etwas anders ist es bei der FDP. Bekannt ist Martin Klöti in der Region schon, namentlich am See, und er wird den Ehrgeiz haben, auch im übrigen Kanton auf ein schönes Podest zu kommen. Die verschienenen Kantonspolitiker auf der FDP-Liste müssten sich freilich unglaublich schlecht schlagen, wenn es dem Rapperswiler gelingen sollte, sie alle zu überflügeln. Und just diese Woche wurde ja angedeutet, dass auch Klöti andernfalls nächsten Frühling in eine Pole-Position für den Kantonsrat gebracht werden soll.

Büchler oder Steiner

Bleiben die zwei Nominationen aus dem Gaster. Jakob Büchler, man weiss es, wurde vor vier Jahren erster CVP-Ersatzmann (nur um Haaresbreite hinter Lucrezia Meier-Schatz) und Marianne Steiner erreichte bei der SVP den dritten Ersatzplatz. Beide wollen nun wirklich – und sonst später wohl kaum mehr. Guckt man auf ihre jeweiligen Listen, so lassen sich kantonsweit beide nicht eindeutig favorisieren. Die innerparteiliche Konkurrenz ist erheblich. Ein Erfolg geht also nur bei regionalem Rückenwind plus einer genügenden Basis ennet dem Ricken.

Die Region selber wird wohl mehr oder minder stark auf beide Pferde setzen, wenn auch mit dem Risiko, am Ende keines von beiden in den Stall zu bringen. Zur direkten Schönheitskonkurrenz der beiden hört man, Steiner sei kämpferischer als Büchler. Das mag kein falscher Eindruck sein, doch man hört ihn auch in anderer Version: Steiner wolle mit dem Kopf durch die Wand, während Büchler den Konsens suche. So oder anders formuliert: Manche halten mehr vom einen, manche vom andern Naturell. Im Kantonsrat steht Steiner öfters auf als Büchler, wird aber auch häufiger stehen gelassen, mitunter gar von den eigenen Leuten. Büchler wiederum dürfte, mit weicherer Profilierung, starker verankert sein: als letztjähriger Ratspräsident und über die bäuerlichen Kanäle.

Wer jemanden bevorzugt, der „es denen mal sagt“, wird primär auf Steiner setze; wer zurückhaltend bürgerliche Politik will, dürfte Büchler favorisieren (ausser jene „Elite-Städter, die einen Bauern vom Land verschmähen). Und wehr irgendwo dazwischen liegt, wird wohl beide wählen.

Nun, der Hauptwahlkampf kommt ja erst. Und wie das regionale Septett Aquilera, Büchler, Colombo, Klöti, Kokasang, Kuster und Steiner (wohl samt UGE-Abrundung) am 19. Oktober da stehen wird, lässt sich zurzeit noch nicht abschliessend sagen.

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aktualisiert 11.02.2005