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„Kein butterweicher Polit-Stuss“
Die nicht überall beliebte SVP-Kantonsrätin
Marianne Steiner im Samstagsgespräch mit Geri Kühne
Sie hat als KO-Präsidentin
gegen die neue Kantonsverfassung gekämpft und am letzten Sonntag
die Abstimmung verloren. Im Gespräch mit der „Südostschweiz“
erklärt die kämpferische SVP-Politikerin Marianne Steiner
aus Kaltbrunn, weshalb sie findet, jetzt seien ländliche Gebiete
verfassungsmässig bevormundet.
Mit Marianne Steiner sprach Geri Kühne
Wenn Sie sich an den letzten Sonntag
zurück erinnern, Marianne Steiner, gab es an diesem Tag für
Sie ein erfreuliches Ereignis?
Marianne Steiner: Welch kuriose Frage. Jeder
Sonntag den ich mit Mann und Familie verbringen kann ist erfreulich,
und den letzten Sonntag habe ich mit Mann und Familie verbracht.
Also war er auch erfreulich.
Sie wissen doch genau, weshalb ich die
Frage stelle: Am letzten Sonntag haben Sie doch sämtliche Abstimmungen
verloren.
Marianne Steiner: Da irren Sie sich, ich
habe gar nichts verloren. Es waren Abstimmungen des Schweizer Volkes,
dieses hat auf eidgenössischer Ebene ein weiteres kleines Stück
Neutralität, Unabhängigkeit und Selbstbestimmung verloren.
Im Kanton St. Gallen verlor vor allem die ländliche Bevölkerung
– wie beispielsweise wir hier im Gaster – gegenüber
den bevölkerungsstarken Gebieten an Einfluss. Nicht ich habe
also Abstimmungen verloren, sondern ich habe, wie alle Bürgerinnen
und Bürger, Rechte und Gerechtigkeit verloren, und das ist
wirklich nicht lustig. Dagegen ist die Aufhebung des Bistumsartikels,
was ich auch befürwortete, beinahe belanglos....
Sie haben Ja gestimmt, wo Sie doch gegen
alles sind? Das können Sie mir ja nicht beweisen.
Marianne Steiner: Nein, das kann und muss
ich auch nicht.
Stimmt, ja, bewiesen werden kann in diesem
Zusammenhang ja nichts. Die Kantonsverfassung haben Sie hingegen
abgelehnt, da können Sie sich nicht herausreden.
Marianne Steiner: Sie als Stimmender von
Benken, das als eine von drei Gemeinden im Kanton die Verfassung
abgelehnt hat, haben ja sicherlich auch dagegen gestimmt? Sie würden
mich sonst masslos enttäuschen.
Bei einem Patt muss ja schliesslich jemand
einen Stichentscheid geben. Doch lassen wir das. Waren Sie über
die Annahme der Kantonsverfassung, die trotz Ihres Gegenkomitees
zustande gekommen ist, mehr überrascht oder mehr enttäuscht?
Marianne Steiner: Das hält sich etwa
die Waage. Ueberrascht hat mich, dass die ländlichen Teile
des Kantons ihren Einfluss und ihre Rechte zu billig preisgegeben
haben. Da sind wir auch nahtlos rüber zur Enttäuschung.
Ich bin immer enttäuscht, wenn Volksrechte und Regionen-Einfluss
abgebaut werden.
„Wir vertreten eine schnurgerade
Linie“
Sie werden als SVP-Politikerin wohl auch
manche weiteren Enttäuschungen erleben?
Marianne Steiner: Bis wir von der SVP so
viele Enttäuschungen beieinander haben, wie sie die in die
Nähe des sozialistischen Lagers abgerutschte CVP in den letzten
Jahren erleben musste, wird meine politische Laufbahn wohl altershalber
beendet sein. Wir vertreten in der SVP bei den heute wichtigen Fragen
eine schnurgerade Linie, und für die kämpfen wir auch.
Wer kämpft, lebt mit dem Risiko, zwischendurch einmal nicht
zu siegen. Das ist für uns zwar ungewohnt, aber wir müssen
auch damit leben lernen. So ist doch die Politik.
Dann sage ich es anders: Sie werden persönlich
und als Frau noch manche politische Enttäuschung erleben.
Marianne Steiner: Da kann ich die vorangehende
Antwort statt auf die SVP auf mich persönlich beziehen, dann
ist auch diese Frage beantwortet. Wer nur mit Hochs umgehen kann,
ist in der Politik am falschen Ort. Ich war schon so oft auf der
Sonnenseite, da schadet ein kleiner, vorübergehender Schauer
nicht. Wenn ich da an Parteien denke, die seit Jahren im Dauerregen
stehen, wird mir beinahe wohl ums Herz.
Sie werden nicht als Politikerin Enttäuschungen
erfahren, sondern hauptsächlich darum, weil sie Marianne Steiner
sind, die hartnäckige SVP-Politikerin.
Marianne Steiner: Hartnäckige SVP-Politikerin,
das ist das schönste Kompliment, das man von einem Medienvertreter
bekommen kann. Vielen Dank! Das mit den Enttäuschungen habe
ich schon erklärt, ich möchte mich nicht wiederholen.
Bloss ein Punkt dazu: Unterschätzen Sie das mit der Frau nicht.
„Man mag mich oder nicht.“
Sie versuchen sich und Ihre politische
Position zu erklären. Ich mache einen weiteren Versuch und
behaupte jetzt einmal, dass Sie immer wieder Enttäuschungen
erleben werden, weil man Sie als Person nicht besonders mag.
Marianne Steiner: Leute, die in der Politik
kraftvoll und profiliert auftreten, haben eigentlich nur zwei Möglichkeiten.
Man mag sie, oder man mag sie nicht. Es gibt praktisch keine Grautöne.
Das ist nicht nur bei uns Bürgerlichen so, sondern auch bei
den Linken. Denken Sie an die Herren Blocher und Bodenmann, um nur
je ein Beispiel zu nennen. Jemand, den alle mögen, kann kein
Profil haben. Ich verkneife es mir, auch Beispiele dazu zu nennen.
Es wäre unfair, aus der Vielzahl von Möglichkeiten einen
Einzelnen zu bevorzugen. Es ist in der Politik oft wie bei einem
Autoreifen. Links und rechts ist das vorgeschriebenen Profil vorhanden,
und das hinterlässt auch negative Eindrücke. Doch in der
Mitte wird es gefährlich flach. Das wissen zwar viele, aber
man fährt trotzdem weiter. Und noch etwas: Mich haben schliesslich
viele Gasterländerinnen und Gasterländer zur Kantonsrätin
gewählt.
„Opportunistischer Wendehals“
Andere Gasterländer haben Sie aber
bezüglich der Kantonsverfassung, gegen die Sie wegen der Wahlkreisfrage
waren, bös im Stich gelassen. Niemand wollte mit Ihnen paktieren?
Marianne Steiner: Sehen Sie, wenn ein Kantonsrat
vor den Wahlen meine Ansicht unterstützt und nach den Wahlen
gerade andersherum argumentiert, ist das für mich kein Politiker,
sondern ein opportunistischer Wendehals. Das sind Leute ohne Mut
und ohne Zivilcourage. Diese Leute haben ja nicht aus Ueberzeugung
meine Ansicht mitvertreten. Sie vertraten damals vor den Wahlen
nicht ihre eigene Meinung, weil sie vor unserem gradlinigen, bodenständigen
Volk das innere der Unterbekleidung schonen wollten. Und solchen
Leuten soll die Bevölkerung vertrauen?
Ich vermute auch andere Gründe,
dass anders Denkende mit Ihnen nicht gemeinsame Sache machen wollten.
Sie haben seinerzeit die Partei gewechselt, sind von der CVP zur
SVP konvertiert. Sie operieren – ganz SVP-konform –
mit Schlagworten. Sie sind hartnäckig bis stur.
Marianne Steiner: Sie schmeicheln mir schon
wieder, das ist bald verdächtig. Jawohl, ich bin hartnäckig,
wenn ich von einer Sache überzeugt bin. Ich kann durchaus auch
stur sein, wenn ich sehe, wie Orientierungslose Rechte und Ansprüche
des Volkes für ein Butterbrot verscherbeln. Zwischen diesen
letzten Zeilen können Sie auch lesen, warum ich seinerzeit
in eine Partei mit klaren Grundsätzen wechselte, zur SVP. Zum
Stichwort Schlagwörter möchte ich ein Beispiel zur Kantonsverfassung
geben. Für mich war das nicht mehr und nicht weniger als eine
„verfassungsmässig erzwungene Bevormundung und Unterdrückung
der ländlichen Gebiete durch grosse Agglomerationen“.
Ich brauch diesen einen und einzigen Satz, um dieses beispiellose
Unrecht zu formulieren. Es ist nun ihr gutes Recht, das jetzt Schlagwort-Politik
zu nennen. Hauptsache, die Bevölkerung weiss exakt, wofür
ich einstehe. Sie werden von mir daher nie so butterweichen Polit-Stuss
zu hören bekommen, der nur dazu dient, vor dem Volk die eigene
Orientierungslosigkeit zu verschleiern.
Dass Sie trotz Ihrer Erklärungen
aber doch einen Hang zur Hartnäckigkeit und Sturheit haben,
bewiesen Sie mit Ihrer einsamen Haltung gegenüber der neuen
Kantonsverfassung. Sie wollten sich mit dieser Haltung doch nur
profilieren?
Marianne Steiner: Vermutlich ist durch meine
klare Haltung halt auch mein politisches Profil erneut sichtbar
geworden, da mögen Sie durchaus recht haben. Aber erkennbares
Profil zu haben ist ja nicht unanständig, zumindest nicht bei
der SVP. Lassen Sie mich aber eine Sache erklären. Ich sprach
vorhin von „verfassungsmässig erzwungener Bevormundung
und Unterdrückung der ländlichen Gebiete durch grosse
Agglomerationen“. Am letzten Sonntag wurde auch über
zwei Militärvorlagen abgestimmt. Praktisch alle ländlichen
Kantone – alles Kantone, wo die Bevölkerung sich noch
bewusst ist, welche Aufgaben unsere Armee zu erfüllen hat und
welche nicht – wehrten sich gegen die Legitimierung möglicher
Gefechte, in die unsere Söhne auf fremden Kriegsschauplätzen
verwickelt werden könnten. Hätte das Ständemehr gegolten,
wären die Vorlagen dorthin gegangen, wo sie hingehört
hätten: Bachab nämlich. So aber sagen in der Tendenz immer
mehr eher städtische Gebiete, wo der Bartli den Most holt.
Wir sollten mit allen Mitteln dagegen ankämpfen, dass der Röstigraben
künftig nicht plötzlich zwischen Stadt und Land ausgehoben
wird. Schauen Sie die Kommentare in der Presse an: „Stadt
besiegt Land“, also Zürich, Basel, Bern, Genf, Lausanne
usw. die Mehrheit der Kantone. So wird es bei uns herauskommen.
Die grossen Orte und Gemeinden wie Jona, Rapperswil, Uznach stellen
künftig die Kantonsräte. Das ist so sicher wie das Amen
in der Kirche.
Sie können als Politikerin und vor
allem Parteipräsidentin ja bereits heute entscheidende Weichen
stellen, damitin Zukunft auch Landgemeinden ihre Vertreter im Kantonsrat
haben.
Marianne Steiner: Ihre Auffassung, dass
sich beispielsweise die SVP erneut für den Gaster engagieren
könnte, ist durchaus überdenkenswert.......
Ich habe nicht gesagt, die SVP solle.....
Marianne Steiner: Die Gasterländer-Politiker
und deren Parteien, die den Wahlkreis See-Gaster so energisch befürworteten,
werden sich ja kaum dafür einsetzen. Sie haben es zwar versprochen,
aber was haben die nicht schon alles gesagt und nicht gehalten.
Es kann also durchaus sein, dass sich die SVP und ich wieder engagieren
werden. Mir liegt der Gaster eben am Herzen – und nicht bloss
im Mund.
Sie scheinen ja vielmehr frustriert als
nur enttäuscht zu sein?
Marianne Steiner: Ich bin nicht frustriert,
im Gegenteil: Nach diesem Gespräch habe ich erst recht so richtig
Lust, mit Begeisterung die nächste Sache in Angriff zu nehmen.
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