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Bauernopfer für die Liberalisierung?
svp. Nachdem mit der Annahme
der bilateralen Verträge für die Landwirtschaft eine Beschleunigung
des Strukturwandels zu erwarten war, lud im Sommer die SVP Bezirkspartei
GASTER in Zusammenarbeit mit dem LIB Strickhof zur Exkursion nach
Süddeutschland ein. Einige interessierte Landwirte aus dem
Linthgebiet nahmen daran teil und erkundigten sich direkt bei ihren
Berufskollegen im EU-Raum über die angespannte Situation in
der Landwirtschaft.
Allgemeines
Der Raum Donaueschingen verfügt über
40.000 ha LN, 1900 Betriebe, wovon ¼ im Nebenerwerb bewirtschaftet
werden, rund 700 Milchproduzenten (1999 haben 150 aufgehört),
14000 Milchkühe.
Bad Dürrheim
Der Betrieb Fischerkeller wird von einer
dynamischen Betriebsleiterfamilie geführt. Ein Betrieb mit
40 Milchkühen mit eigener Nachzucht, Schwarzbunt, 355.000 kg
Milchquote – Ziel für 2001 sind 410.000 kg. Auf 17 ha
LN wird Getreide angebaut, der Rest ist Grünland. Der Ackerbau
wird durch einen Kollegen geführt. Die Weide dient nur der
Bewegung, Gras wird durch den Maschinenring siliert. Der Betrieb
verfolgt ganz klar die Wachstumsstrategie. Er kann sich gut vorstellen,
einen neuen Stall für 100 Milchkühe zu bauen. Aus seiner
Sicht ist eine Abschaffung der Milchquote sinnvoll.
Villingen-Schwenningen
Der Betrieb Fleig verfügt über
einen modernen, rationellen Stall, 54 Milchkühe mit Aufzucht,
die Kühe werden nicht auf die Weide gelassen, 350.000 kg Milchquote,
75 ha LN, wovon 40 ha Grünland und 10 ha Silomais, hat freie
Kapazitäten. Er verfolgt keine eindeutige Waschstumsstrategie,
sondern bleibt eher passiv, was die Milchproduktion anbelangt. Der
Betriebsleiter verfolgt keine Hochleistungszucht, sondern sagt sich,
dass auch schlechtere Tiere bei ihm bleiben können, da er die
Kapazität hat. Seine Frau führt selbständig ein Steuerbüro
mit zwei Teilzeitangestellten. Der Betriebsinhaber betreibt seit
1999 eine Biogasanlage, die ans Stromnetz angeschlossen ist. Das
Projekt wurde mit 44.000 DM der öffentlichen Hand unterstützt.
Pro Jahr werden rund 130.000 kWh aus dem Kuhmist gewonnen. Das ergibt
einen sehr guten Nebenverdienst (18.980 DM). Weiter werden Grünabfälle,
Silage und Getreide in den Fermenter gegeben. Werden 100 kg Weizen
vergast, so löst der Landwirt über 30 DM. Werden dieselben
100 kg Weizen “normal” verkauft, erhält er dafür
22 DM.
St. Georgen
Der Betrieb Heinzmann verfügt über
drei gute Standbeine, wachsende Märkte (Bio, Tourismus) und
Beiträge. 30 Milchkühe der Rasse Vorderwäldler, die
im Schwarzwald heimisch ist, total 70 Stück Rindvieh (Mast
und Remontierung). Die Problematik der Rasse ist die, dass sie über
eine sehr enge Blutlinie verfügt. Deshalb werden Montbeillard
eingekreuzt. Pro Vorderwäldlerkuh erhält er einen Beitrag
von 100 DM (bedrohte Tierrasse). Milchquote von 155.000 kg Kontingent.
45 ha Grünland (im Herbst kommen 13
ha dazu), 30 ha Wald. Auf dem Betrieb stehen zwei gut ausgelastete
Ferienwohnungen, die rund 1/3 des Betriebseinkommens ausmachen 200
Tage im Jahr belegt, 50 DM pro Tag für 2 Personen. Seit Jahren
wird der Betrieb biologisch bewirtschaftet. Der Milchpreis für
bio ist 7 Pf. höher. Pro ha Grünland erhält ein Biobetrieb
200 DM. Im weiteren erhält der Betrieb Hangbeiträge (286
DM/ha) und für den Wald ebenfalls einen Beitrag von 80 DM/ha.
Herr Heinzmann arbeitet noch für die Gemeinde und verdient
dort 50 DM pro Stunde. Herr Heinzmann verweigert das Wachstum im
Milchsektor.
Fazit – wie weiter ?
Sinkende Milchpreise und höhere Transportkosten
drücken die Wirtschaftlichkeit der Milchproduktion. Unter dem
Titel “Horizont 2010” hat das BLW seine Vorstellungen
über die mögliche Entwicklung der schweizerischen Landwirtschaft
innerhalb der nächsten zehn Jahre präsentiert. Dabei wird
eine Strategie forciert, die eine rasche weitere Oeffnung der Märkte
vorsieht, die Marktstützungen weiter abbaut und vorübergehend
Mittel aus dem bewilligten Rahmenkredit für soziale Abfederungen
in Härtefällen einsetzen will. Alle diese Massnahmen dienen
dazu, den Bauernstand weiter in die Enge zu treiben und auf ein
nötiges Minimum zu reduzieren. Die SVP Gaster und See laden
alle Interessierten zu einem weiteren Informationsabend ein. Zum
Thema “Bauernopfer für die Liberalisierung?” informieren
SVP-Nationalrat Ueli Maurer und SVP-Nationalrat Hermann Weyeneth
über die Agrarpolitik 2001, Aufhebung der Milchkontigentierung
und das Horizontpapier 2010. Die Veranstaltung ist öffentlich
– alle Interessierten sind eingeladen und herzlich willkommen.
Mittwoch, 8. November 2000, 20.15
Uhr:
Restaurant Löwen, Fischhausen Kaltbrunn
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